Dr. Christian M. Meyer

Der lexikographische Prozess im deutschen Wiktionary

Abstract. Wörter­bücher werden traditionell von einer Wörterbuchredaktion erstellt. Dem gegenüber steht das gemeinschaftliche Erarbeiten der Wörterbuch­inhalte, das ein völlig anderes Paradigma der Lexiko­graphie darstellt. Die Wörterbucherstellung liegt hier nicht länger in den Händen einer Redaktion, sondern wird von einer meist großen Zahl freiwilliger Autoren übernommen. Das gemeinschaftliche Vorgehen wurde in der (meta-)lexikographischen Fach-literatur als kollaborative Erstellung (Storrer/Freese, 1996) und bottom-up lexicography (Carr, 1997) eingeführt, ist aber bis heute wenig erforscht. Insbesondere stellt sich für die Wörterbuchforschung die Frage, wie sich die freiwilligen Autoren organisieren und wie bei der Erarbeitung der Wörterbuchinhalte vorgegangen wird.

Im vorliegenden Beitrag analysieren wir das gemeinschaftlich erstellte Online-Wörterbuch Wik­tionary hinsichtlich dieser Fragestellung, um insbesondere herauszuarbeiten, inwieweit sich der in Wiktionary zugrundeliegende lexikographische Pro­zess mit den Prozessen redaktionell erstellter Wörter­bücher deckt bzw. sich davon unterscheidet. Unsere Auswertung bezieht sich auf das deutsche Wiktionary, das mit ca. 227.000 Artikelseiten das derzeit größte deutschsprachige, gemeinschaftlich erarbeitete Wörterbuch darstellt und daher sowohl qualitative als auch quantitative Untersuchungen in dieser Forschungsfrage ermöglicht.

Eingereicht: 28.03.2013 | Veröffentlicht: 29.03.2016

Der lexikographische Prozess im deutschen Wiktionary

Der lexikographische Prozess im deutschen Wiktionary